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Samstag, Dezember 01, 2007

Zusammenhang zwischen politischer Einstellung und Musikgeschmack- War da mal was?

Der für seine Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Subkultur-Forschung bekannte Publizist Klaus Farin, hat einen interessanten Artikel in der Zeitschrift Das Parlament veröffentlicht: Er gibt Antworten auf die Frage, wie politisch heute noch Jugendkulturen sind. Im wesentlichen stellt er dabei fest, dass die Zugehörigkeit zu einer Subkultur heutzutage viel weniger gleichzeitig mit einer bestimmten politischen Einstellung verbunden sei. Während man früher nur in wenigen Subkulturen das ganze Spektrum von ganz links bis ganz rechts vorfinden konnte, sei dies heute in fast allen so:

"Auseinandersetzungen, die die Skinhead-Szene schon seit 20 Jahren führt, haben nun auch Hip-Hop, Techno, Punk, Gothic, Hardcore und viele andere Jugendkulturen erreicht."


Klaus Farin (2005). So schlimm wie bei den alten Griechen.Wie politisch sind Jugendkulturen heute?


Dazu einige Anmerkungen von mir:
  • Als Beispiel kann man hierfür sicherlich das Auftauchen von gewaltverherrlichenden, deutschnationalen Texten in der deutschen Hip-Hop-Szene nennen.
  • Auch lässt sich beim Surfen durch die User-Profile von Online-Communities wie z.B. studivz erkennen, dass eine politische Selbsteinstufung als "mitte-rechts" oder "konservativ" keineswegs eine Zuneigung zu (vormals) einschlägigen Musikgenres wie beispielsweise Punk, "Indie" oder Reggae ausschließt.
  • Ferner wurde in letzter Zeit immer wieder versucht, vormals linke Codes durch die extreme politische Rechte zu okkupieren. Sehr gut ist dies z.B. auf dem Cover der NPD-Schulhof-CD sichtbar.

Samstag, Januar 13, 2007

Reform der deutschen Single-Charts nach englischem Vorbild?

Welche Folgen ergeben sich nun nach der Reform der UK-Charts für die künftige Zusammensetzung der UK-Charts? Und auch interessant: Was ergäbe sich bei einer ähnlichen Modifizierung der deutschen Single-Charts? Der neue Charts-Mechanismus lässt nach meiner Ansicht, folgende Prognosen kurzfristiger und (weitaus wichtiger) langfristiger Folgen zu:

1. Kurzfristig begünstigt wird in nächster Zeit das Wiedereinsteigen von Singles, die bereits seit längerer Zeit in den regulären Charts nicht mehr gelistet wurden, jedoch noch weiter in den Download-Charts vertreten waren. Dies zeigt sich aktuell in England bei Snow Patrol-Chasing Cars (Wiedereinstieg auf 9!), Gnarlsarkley-Crazy (WE auf 30), Nelly Furtado-Maneater (WE auf 38)

2. Weitaus interessanter sind die langfristigen Auswirkungen:
  • Wiedereinstieg von Oldies: Auch ohne eine erneute Single-Veröffentlichung, können diese nun wieder die Charts entern z.B. durch:
    • Präsenz auf Film-Soundtracks, Game-Soundtracks
    • Präsenz in TV-Talent-Shows (Durch ihre Präsenz im englischen DSDS-Pendant X-Factor gelangten bereits alte Gassenhauer von den Proclaimers und Aerosmith zurück in die UK-Charts)
    • Präsenz der Künstler in Medien in Form nicht-musikalischer Schlagzeilen (z.B. Musiker XY heiratet, Musikerin Z stirbt)
    • erstmalige Verfügbarkeit als legaler Download: So ist es nicht unwahrscheinlich, dass eine laut Gerüchten demnächst bevorstehende Wiederveröffentlichung des gesamten Beatles-Kataloges als Online-Download, dazu führen könnte, dass die Beatles mit ihren Hits im Jahre 2007 die kompletten Top10 übernehmen könnten.
    • saisonale Aktualität z.B. Weihnachts-Schmonzetten, Karnevals-Gröhlnummern
  • Chart-Einstieg ohne Plattenfirma prinzipiell möglich: Während auf den ersten Blick, dieser neue Mechanismus es für Newcomer schwerer zu machen scheint, sich gegenüber den erhöhten Wiedereinstiegschancen der Pop-Oldies zu behaupten, bietet er ihnen gleichzeitig auch neue Chancen: Fortan ist es nicht unbedingt mehr erforderlich bei einer Plattenfirma unter Vertrag zu sein, um in den Charts berücksichtigt zu werden. Jeder Band kann es so gelingen alleine durch das Online zum Verkauf stellen ihres Songs in die Hitparade zu gelangen. Beste Chancen werden aktuell z.B. den englischen Newcomern Koopa ausgerechnet, als erste Band in die britischen Charts zu gelangen ohne eine eigene Plattenfirma im Rücken.
Kleiner Nachtrag (15.01.2007): Koopa haben es tatsächlich als erste ungesignte Bands in die britischen Charts geschaftt. Ihre Single "Blag, Steal & Borrow" stieg am letzten Sonntag auf Platz 31 ein.

Samstag, Januar 06, 2007

Review: Knarf Rellöm Trinity-Move Your Ass & Your Mind Will Follow

"Verblüffend, aber plausibel haben die Pet Shop Boys jüngst gegenüber Spex erklärt, dass sie im Gegensatz zu Bands wie Kaiser Chiefs oder The Kills vom Punk kommen, während “die Musik” bei den heute als Punkrock gehandelten Bands “nichts anderes repräsentiert als sich selbst”. Und mit Punk meinte Neil Tennant: ein Anliegen, Kritik, Ausdruck von Unbehagen. “It’s more than music”, wie es in der Szene einmal hieß." (Martin Büsser 2006. In: Intro Nr. 140.)

Dass sich die beiden gesellschaftlichen Sub-Systeme Popkultur und Politik nicht unabhängig voneinander entwickeln ist unbestritten. Wie sieht es jedoch mit der Beziehung zwischen diesen beiden genauer aus? Beeinflussen nur die politischen Verhältnisse die Popkultur oder gibt es auch einen Kausalitätspfeil in die andere Richtung? Während sich für die erste Annahme (Politik beeinflusst Pop) musik-historisch eine Vielzahl von Belegen finden lässt, war die Frage, in wie weit sich durch Pop-Musik tatsächlich die politischen Verhältnisse verändern lassen, stets umstritten. Während in den Hochzeiten des politischen Protestsongs diese Frage wohl von einer Mehrheit bejaht wurde, machte sich seit dem Ende der 1980er Jahre eine immer größere Skepsis breit. Ein Teil der progressiven Pop-Kultur der 1990er fand daraufhin das "politische im Privaten" bzw. konzentrierte sich auf "Micro-Politics".

Mit dieser zweiten Frage beschäftigt sich auch Knarf Rellöm auf seinem aktuellen Album "Move Your Ass & Your Mind Will Follow" (zick zack/ what's so funny about 2006): Ausgehend von einem Sun Ra-Zitat, welcher "Musik als Treibstoff für Raumschiffe" sieht, erkennt Rellöm in ihr das Potential für das Hinterfragen gesellschaftlicher Verhältnisse. Vor allen Dingen die aktuelle Entwicklung des sogenannten "Indie-Rocks" hin zu immer belangloseren Inhalten scheint ihm dabei gründlich zu missfallen:

"No Indie Rock Please
Leave My House Right Now!
I Hate You So Much!"
(aus: LCD Is Playing At My House)

Daneben wird in Songs wie "AKD" (aktuelle Patriotismusdebatte) oder "Talkin' Techno" (Übernahme von vormals exklusiv-linken Codes durch die extreme politische Rechte) Stellung zu aktuellen gesamtgesellschaftlichen Fragen genommen.

Anstatt ganze Geschichten zu erzählen, sind die meisten Lieder weitgehend auf deutsch- und englischsprachige Slogans bzw. popkulturelle Zitate reduziert. Vom musikalischen Aufbau her, sind die Songs der Knarf Rellöm Trinity wohl deshalb am ehesten als "Slogan Pop" zu bezeichnen, einem Begriff, den man in den letzten Jahren z.B. auch häufig im Zusammenhang mit dem musikalischen Output des (völlig unpolitischen) Taylor Savvy (Album: Ladies & Gentlemen auf kitty-yo) las. Das Album bewegt sich dabei zumeist in Uptempo -"Disco-Punk"-Gefilden, unterbrochen von Hörspiel-Parts. Das Tempo wird aber auch in einzelnen regulären Stücken wie dem "Guns Of Brixton"-artigen Reggae-Stück "What's That Music" etwas gedrosselt. Neben textlichen Popkultur-Zitaten finden sich ebenfalls zahlreiche musikalische Verweise, wie z.B. in "Außerplanetarische Opposition" (The Prodigy u.a.: Out Of Space) oder bei "LCD Is Playing At My House" (Black Eyed Peas: My Humps). Durch den hohen Namedropping-Anteil im letztgenannten Track, fühlten sich auch bereits andere Blogger frappierend an "Hyper Hyper" von Scooter (!) erinnert.

Sowohl eine Audio- als eine Video-Version von "LCD Is Playing At My House" findet man auf den Download-Seiten des Bayerischen Rundfunks.
Knarf Rellöm-LCD Is Playing At My House (Studio-Mp3, Live-Mp3, Live-Video)@BR-Onine: Bavarian Open Source
 

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